Von kleinen und großen Menschen

Ich wüsste nicht, das ich das schon erwahnt habe: Ich bin Sozialarbeiter. Spitzen Job, man macht Faxxen, bringt Dinge bei und redet viel, vor allem darüber was man alles erlebt hat, auf seinen Reisen, in seiner Stadt, in seinem Leben. Viel erlebt zu haben ist ziemlich nützlich. Geld bekommt man auch und wenn man selbstständig ist sogar anständig. Eines meiner Kinder ist krank. UNd neulich hatte ich mal die Situation, dass es von einem Arzt unter zwang untersucht wurde. Plötzlich merkte ich, dass Missbrauch in deutschland auch so statt findet. Die meisten Merkmale sind erfüllt: Ein Machtgefälle, Ohmacht, Hilflosigkeit und Wut. Hierzu habe ich folgendes geschrieben:

 

Ein kleiner Mensch konnte noch nicht aufs Klo gehen. Er hat nicht gelernt dies zu tun. Manchmal saß er auf der Toilette und es kam nichts. Der kleine Mensch war meistens glücklich und manchmal nicht. Er spielte gerne Fußball, spielte Gameboy und ging sehr sehr gerne in die Schule. Dort hatte er Freunde, dort haben ihm große Menschen die Windel gewechselt und dort, in einer Schule mit einem Boden wie in einer Sporthalle, konnte er so sein wie der kleine Mensch sein wollte. Der kleine Mensch lebt in einem Haus mit anderen kleinen Menschen. Manche sind ganz klein, andere sind etwas größer und wieder andere sind sehr viel größer. Die sehr viel größeren Menschen haben gelernt kleinen Menschen beizubringen auf die Toilette zu gehen. Und der kleine Mensch lernt das große Menschen ihm dabei helfen etwas größer zu werden. Sie sprechen mit ihm über die Welt, über das sprechen, über das Leben mit anderen oder manchmal auch über witzige Witze für die sich der kleine Mensch mit einem Lächeln bedankt. Der kleine Mensch fühlt sich langsam ein wenig wohl bei den ganz großen Menschen.

Doch manchmal muss der kleine Mensch zu großen Menschen die seinem Bauch weh tun. Die großen Menschen wollen ihn berühren, sie wollen ihn untersuchen, sie hören ihm nicht zu. Sein Nein, sein Stopp, seine Hände die er gegen die großen Menschen drückt helfen nichts. Sie hören nicht zu, sie passen nicht auf ihn auf. Er möchte weg, er will hier nicht sein. Er will keine Schmerzen spüren, keine Angst haben, er will gehört werden. Doch keiner hört zu. Alle großen Menschen sind bei ihm und der kleine Mensch kann nichts machen. Niemand macht etwas. Außer der große Mensch der einfach nicht aufhört. Der kleine Mensch weint, er schreit, er ruft um Hilfe. Er tut alles was kleine Menschen machen sollen, wenn etwas passiert das sie nicht möchten. Aber niemand hört ihn. Alle schauen ihn an aber niemand tut etwas. Und dann hört er auf. Er weint nicht mehr, er schreit nicht mehr. Er hat die Augen zu und versucht nicht zu atmen, nicht zu spüren und nichts zu machen damit der große Mensch endlich schnell aufhört. Irgendwann hört der große Mensch auf. Der kleine Mensch soll sich anziehen und ruhig sitzen bleiben. Die großen Menschen unterhalten sich über Dinge die der kleine Mensch nicht versteht. Sie reden schnell miteinander und beachten den kleinen Menschen nicht. Der kleine Mensch soll sich auf eine Wage stellen und dann an die Wand. Der große Mensch schreibt sich etwas auf und gibt dem kleinen Menschen ein Bonbon. Der große Mensch macht jetzt keine Angst mehr. Der große Mensch sagt ihm das er beim nächsten Mal besser mitmachen soll damit er zwei Bonbons bekommt. Der kleine Mensch will schnell wieder zu den anderen kleinen Menschen und alles vergessen. Er will sich nicht daran erinnern das große Menschen ihm weh getan haben.

Der kleine Mensch ist wieder bei seinen anderen Menschen. Seine ganz kleinen Menschen, die etwas größeren Menschen und seinen ganz großen Menschen. Die kleinen Menschen spielen Fußball, der kleine Mensch will mitspielen. Er läuft über die Wiese und sucht den Ball. Er spürt die Sonne an seinem Hals und den Wind um seine Nase. Er sieht den Ball und das Tor. Er rennt um die anderen kleinen Menschen herum und schießt. Konter von einem anderen kleinen Menschen. Der Ball ist weg und er rennt hinterher. Der andere ist schnell, aber der kleine Mensch weiß, dass er schneller sein kann. Er rennt, er gibt Gas und dann hat er den Ball. Er zirkelt und schaut sich um. Er ist ganz ganz groß. Ein anderer kleiner Mensch kommt angerannt und versucht ihm den Ball wegzunehmen. Das wird nix. Der kleine Mensch schaut sich um, kickt den Ball richtung Tor, schießt und versenkt. Alle seine Menschen springen auf, freuen sich und gratulieren. High Five! Der kleine Mensch hats gepackt.

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